Fehler vermeiden – von Anfang an

Wer ein Expertenbuch veröffentlicht, will möglichst ein fehlerfreies Buch auf den Markt bringen, klar! Das ist eine große Aufgabe, die nicht allein beim Korrektor oder der Korrektorin liegt. Die Voraussetzungen für eine niedrige Fehlerquote können Businessautorinnen und -autoren bereits im Schreibprozess schaffen. Hier kommt eine Anleitung in fünf Schritten, um Fehler von Anfang an zu vermeiden.

Je weniger Fehler im Ausgangstext, desto besser das Endergebnis

Eine Fehlerquote von 0 Prozent ist schlicht unmöglich, vor allem wenn die gesamte Bandbreite möglicher Fehler berücksichtigt wird. Im Verhaltenskodex für Lektorinnen und Lektoren im VFLL (Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren) heißt daher: „Freie Lektorinnen und Lektoren im VFLL halten die Regeln für einen lauteren Wettbewerb ein. Sie machen weder in ihrer Werbung noch ihren Auftraggebern gegenüber unrichtige oder irreführende Angaben und unterlassen Werbeaussagen, die eine hundertprozentige Fehlerfreiheit in Texten versprechen.“

Gute, professionelle Korrektoren und Korrektorinnen holen erfahrungsgemäß – je nach Ausgangstext, Schwierigkeitsgrad, Zeitdruck, Sprachniveau etc. – zwischen 80 und 95 Prozent der Fehler aus einem Text heraus. Das bedeutet: Je weniger Fehler vorhanden sind, bevor der Text ins Korrektorat geht, desto besser fällt das Endergebnis aus:

  • Sind vor dem Korrektorat im Text 1000 Fehler enthalten, sind danach noch ungefähr 50 bis 200 vorhanden.
  • Sind es jedoch vorher nur 100 Fehler, bleiben nur zwischen 5 und 20 Fehler stehen.

Damit ist klar: Je weniger Fehler von vornherein in den Text eingebaut werden, desto sauberer wird das Buch am Ende.

In diesem Text geht es um objektivierbare Fehler, die ganz zum Schluss herausgefischt werden. Diese Schritte sollten nach dem Lektorat erfolgen. Warum? Weil sich erfahrungsgemäß während des Lektorats sehr viel am Text ändert und sich dabei viele neue Fehler einschleichen können und werden. Ein Korrektorat vor dem Lektorat ist meiner Meinung nach sinnlos.

Schritt 1: Fehler schon beim Schreiben vermeiden

Bereits während des Schreibprozesses können Sie versuchen, die Fehlerquote zu senken, und das auch noch ganz automatisch.

  • Aktivieren Sie die Rechtschreibkontrolle in Word: Auch wenn Word weiß Gott nicht alle Fehler in einem Text findet, weist die Software Sie dennoch bereits bei der Texterfassung auf die schlimmsten Mängel hin. Voraussetzung ist nur, dass Sie die Rechtschreibkontrolle aktiviert haben. Dann unterstreicht Word alle falsch geschriebenen Wörter mit einer roten Kringellinie, sodass Sie sie überprüfen können. Zudem erhalten Sie Verbesserungsvorschläge, wenn Sie mit der rechten Maustaste auf das gekennzeichnete Wort klicken.
  • Nutzen Sie die Autokorrekturfunktion. Mit der Autokorrekturfunktion werden bestimmte Wörter und Zeichenabfolgen automatisch umgewandelt. Mit ihrer Hilfe können Sie beispielsweise aus der Zeichenfolge – -> einen sauberen Pfeil (→) machen. Viel spannender ist aber, dass Sie die Autokorrekturfunktion um eigene Einträge ergänzen können. Jeder von uns hat Lieblingsfehler, also Wörter, die er oder sie immer wieder falsch schreibt. Bei mir beispielsweise ist es das Wort „Urlaub“, aus dem meine Finger auf der Tastatur immer „Urlabu“ machen. Also habe ich „Urlabu“ irgendwann einmal in die Autokorrektur eingetragen und Word den Befehl gegeben, dies immer durch „Urlaub“ zu ersetzen. Eine Fehlerquelle weniger.
  • Legen Sie Schreibweisen fest. Wenn Sie in Ihrem Text mit Produkt- oder Markenbezeichnungen arbeiten, legen Sie sich so früh wie möglich fest, wie Sie diese genau schreiben möchten. In vielen Unternehmen gibt es hierfür spezielle Schriftzüge: Wollen Sie diese übernehmen oder nicht? Halten Sie diese Entscheidungen schriftlich fest und legen Sie entsprechende Autokorrekturen an. Gleiches gilt für Zweifelsfälle. Wenn Sie beispielsweise immer „so genannt“ statt „sogenannt“ schreiben wollen, ist das ein Fall für die Autokorrekturfunktion.
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Schritt 2: Fehler im ersten Durchlauf finden und eliminieren

Wenn Sie mit dem Schreiben fertig sind, kommt der erste Korrekturdurchlauf. Diesen können Sie noch gut selbst durchführen.

  • Lassen Sie das Korrekturprogramm von Word über Ihren Text laufen. Grobe Fehler können Sie damit gut aufspüren, auch wenn die Software alles andere als perfekt ist. Wenn Ihnen eine andere Korrektursoftware vorliegt, nutzen Sie auch diese.
  • Lesen Sie Ihren Text selbst gründlich Korrektur. Wann immer Sie sich unsicher sind, lohnt sich ein Griff zum gelben Duden.
  • Um möglichst viele Fehler zu finden, ist es notwendig, innere Distanz zum eigenen Text zu gewinnen. Das ist nicht einfach, aber ein paar Tricks helfen dabei:
    • Lassen Sei Ihren Text zunächst eine Weile liegen, bevor Sie ihn gegenlesen. Mit "frischen" Augen sehen Sie mehr Fehler.
    • Drucken Sie den Text aus. Fehler fallen auf dem Papier schneller auf.
    • Ändern Sie die Schriftart, -größe und -farbe, wenn Sie korrigieren.
    • Wählen Sie für das Korrektorat eine andere Arbeitsumgebung.
    • Lesen Sie sich den Text selbst laut vor.
    • Lesen Sie Ihren Text Wort für Wort rückwärts.
  • Möglicherweise fallen Ihnen noch weitere Wörter oder Schreibweisen auf, die Sie vereinheitlichen wollen. Vielleicht haben Sie bisher in Ihrem Text eine bunte Mischung aus "EUR", "Euro" und "€" versammelt. Dann bestimmen Sie nun, auf welche Art Sie Währungen bezeichnen wollen. Anschließend starten Sie einen Suchlauf mittels "Suchen + Ersetzen" in Word und vereinheitlichen Sie alle Textstellen.
  • Überlegen Sie, ob Ihre Festlegungen weitergehende Konsequenzen haben. Wenn Sie sich für das "€"-Zeichen entscheiden, sollten Sie gegebenenfalls die Schreibweisen "US-Dollar" und "USD" analog durch das "$"-Zeichen ersetzen. Gehen Sie auch hier den Weg über "Suchen + Ersetzen" in Word.

Schritt 3: Freunde bitten, nach Fehlern zu suchen

Vier Augen sehen mehr als zwei und sechs sehen sogar noch mehr! Bitten Sie also Freunde und Freundinnen, die die deutsche Rechtschreibung sicher beherrschen, um eine Korrektur.

Schritt 4: Einen Profi mit dem Korrektorat beauftragen

Nun haben Sie selbst schon möglichst viele Fehler aus dem Text herausgenommen und es ist Zeit, einen Profi zu beauftragen. Suchen Sie sich jemanden, der weiß, was er oder sie tut. Ich habe schon Korrektorate von "Hobby-Korrektoren" erlebt, nach denen im Text mehr Fehler vorhanden waren als zuvor. Bei speziellen Themen, die ein besonderes Vokabular verwenden, sollten Sie einen Korrektor oder eine Korrektorin wählen, der oder die sich mit der Materie auskennt.

  • Wenn der Korrektor oder die Korrektorin mit einer Korrektursoftware wie dem Duden Korrektor arbeitet, sollte diese Software zuerst zum Einsatz kommen. Als Faustregel kann gelten, dass eine Software etwa 50 Prozent aller Fehler einem Text findet. Im ersten Durchlauf, wohlgemerkt! Im zweiten findet sie keine neuen Fehler mehr, weil sie dann an ihre Grenzen stößt.
  • Nun folgt der händische Korrekturlauf des Korrektors oder der Korrektorin. Führen wir das Beispiel von oben weiter: Im Text waren, bevor er in das professionelle Korrektorat gegeben wurde, 1000 Fehler enthalten. Die Korrektursoftware findet circa 50 Prozent, also sind bei Beginn des ersten händischen Korrekturlaufs noch circa 500 Fehler vorhanden. Wie erwähnt, finden die Profis pro Durchlauf zwischen 80 und 95 Prozent aller Fehler, das heißt, nach dem ersten Durchlauf bleiben also 25 bis 100 stehen. Wenn Ihnen als Auftraggeber oder Auftraggeberin zu viele Fehler sind, buchen Sie einen zweiten Durchlauf. Damit findet der Korrektor oder die Korrektorin wieder zwischen 80 und 95 Prozent der noch vorhandenen Fehler, es verbleiben also bis zu 20 Fehler im Text.
  • Bei sehr bedeutsamen Publikationen ist es sinnvoll, nach dem Vier-Augen-Prinzip zu korrigieren. Jeder Korrektor und jede Korrektorin sieht andere Fehler und Mängel in einem Text. Dies ist die erfolgversprechendste Maßnahme für möglichst fehlerfreie Texte.

Schritt 5: Lassen Sie ein Schlusskorrektorat durchführen

Wenn Ihr Buch perfekt sein soll, lassen Sie nach dem Buchsatz eine sogenannte Schlusskorrektur (auch Fahnenkorrektur genannt) machen. Erst im gesetzten Text können Trennungsfehler und Satzfehler wie "Witwen und Waisen" entdeckt werden. Damit sind einzelne Zeilen gemeint, die am Ende oder am Anfang einer Buchseite stehen. Außerdem fallen Layoutfehler wie beispielsweise falsche Auszeichnungsformate, falsche Schriftzeichen oder -arten, falsche Überschriftenformate etc. hier auf.

Übrigens: Professionelle Korrektoren und Korrektorinnen sind gegen gravierende Fehler, beispielsweise Fehler im Buchtitel oder Ähnliches, versichert.

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Beste Grüße
Cordula Natusch - Ihre Expertenbuch-Expertin

Ih, ein Fehler! Fehler und Fehlerquoten in einem Text

Mist, ein Fehler! Kaum ist der Text gedruckt, finden Sie auf Seite 3 einen Rechtschreibfehler. Beim Durchblättern stellen Sie zudem fest, dass auf Seite 12 eine Bildunterschrift fehlt und dass auf Seite 35 ein Name falsch geschrieben wurde. So etwas ärgert alle, auch den Korrekturleser und die Korrekturleserin, der oder die den Text gegengelesen hat. Die Profis wurmt ein solcher Fauxpas oft sogar am meisten. Fehler lassen sich nicht vollständig vermeiden, wie jeder, der professionell mit Texten arbeitet, bestätigen wird. Das Ziel ist aber, die Fehlerquote so gering wie möglich zu halten.

Allerdings ergeben sich aus diesem Anspruch eine ganze Menge Fragen: Was ist ein Fehler? Wie errechnet sich die Fehlerquote in einem Text? Und welche Fehlerquote gilt gerade noch als akzeptabel? Dieser Beitrag soll nicht etwa schlampige Arbeit rechtfertigen – wie sie leider gerade im Korrektorat von sogenannten Hobby-Korrektoren immer wieder abgeliefert wird. Aber er will zeigen, dass das Thema „Fehler im Text“ weit komplexer ist, als man zunächst denken mag.

Was ist ein Fehler?

Wenn wir uns mit der Frage der Fehlerquote beschäftigen, ist die erste Frage natürlich: Was ist ein Fehler überhaupt?

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Typische Fehler: Rechtschreibung, Zeichensetzung, Grammatik

Fehlerhafte Orthografie, falsche Interpunktion und mangelhafte Grammatik – das sind die Fehler, die in einem Text schnell ins Auge stechen und über die sich der Autor und die Autorin beziehungsweise der Korrektor und die Korrektorin am meisten ärgern. Auch den Lesern und Leserinnen fallen diese Fehler auf, wie Rezensionen bei Amazon und Co. zeigen. Aber diese offensichtlichen Mängel – zu denen auch eine fehlerhafte Silbentrennung gehört – sind nur die Spitze des Eisbergs. In einem Text können sich noch viel mehr und ganz andere Fehler verbergen.

Zahlen, Abbildungen und Co.

Elemente wie Abbildungen, Tabellen, Berechnungen etc. sind tolle Möglichkeiten, um den Text aufzulockern und den Inhalt zu verdeutlichen. Allerdings bieten sie Fehlern auch eine wunderbare Spielwiese.

  • Zahlendreher, falsche Berechnungen, fehlerhafte Gliederungen in den Zahlen usw.: Zahlen und Ziffern können auf sehr vielfältige Art falsch sein.
  • Gleiches gilt für Abbildungen. Das beginnt bei der grundsätzlichen Frage, ob das Bild überhaupt zum Text passt oder ob womöglich eine Text-Bild-Schere vorliegt. Ist in der Abbildung Text vorhanden, kann dieser Rechtschreib- oder Zeichensetzungsfehler enthalten. Oder die Bezeichnungen weichen vom restlichen Text ab. Oder die Bildunterschrift ist falsch. Oder fehlt ganz ...
  • Tabellen können sowohl falsche Angaben und Fehler in den Einträgen enthalten als auch fehlerhaft gestaltet sein. Dann bieten die Zellen beispielsweise nicht ausreichend Platz für Ergebnisse, wodurch in Excel das berüchtigte ##### entsteht.

In vielen Fällen darf der Lektor oder darf die Korrektorin bei solchen Fehlern nicht eingreifen. Zahlen in Geschäftsberichten beispielsweise sind tabu – sie fallen in die Verantwortlichkeit der Wirtschaftsprüfer. Hier setze ich als Bearbeiterin einen Kommentar, wenn mir etwas merkwürdig vorkommt. Kritisch sind auch Eingriffe in akademischen Arbeiten, die über die Korrektur von Rechtschreib-, Zeichensetzungs- und Grammatikfehlern hinausgehen. Solche Texte sind der Ausweis der wissenschaftlichen Fähigkeiten und führen oft zu akademischen Abschlüssen. Hier ist der Grat zwischen legitimem Korrektorat und illegitimer Hilfestellung sehr schmal.

Namen, Orte und Co.

Dass Namen, Orte etc. korrekt geschrieben sein sollten, versteht sich. Aber auch hier kann es durchaus zu Problemen kommen, die über reine Schusselfehler hinausgehen. Wie ist das mit Namen aus Sprachen, die andere Schriftzeichen verwenden? Wie werden sie transkribiert? Hier gibt es Konventionen, die eingehalten werden müssen.

Erwähnt seien an dieser Stelle auch gleich Übersetzungsfehler. Sie fallen im Korrektorat schon allein deshalb oft nicht auf, weil der Originaltext nicht vorliegt und ein Abgleich daher nicht möglich ist.

Einheitlichkeit

Weniger auffällig als die bisher genannten Fehler ist fehlende Einheitlichkeit im Text. In der Rechtschreibung und Zeichensetzung gibt es zahlreiche Zweifelsfälle, bei denen zwei (oder gar drei) verschiedene Schreibweisen korrekt sind. Die einmal gefundene Lösung sollte aber durch den Text (und beispielsweise bei Buchreihen über verschiedene Titel hinweg) durchgehalten werden. Gleiches gilt für unternehmenseinheitliche Bezeichnungen von Produkten, für Absprachen bei Abkürzungen etc. Da wir hier über Fehler und Fehlerquoten sprechen, kann jede Abweichung von der Einheitlichkeit als Fehler gelten.

Formalia

Zur formalen Kontrolle eines Textes gehören die Überwachung der Typografie und der Auszeichnungen im Text, die Überprüfung von Zitaten, Verzeichnissen sowie Querverweisen und Ähnliches. Je weiter der Produktionsprozess des Textes vorangeschritten ist, desto mehr rücken diese Aspekte in den Vordergrund.

Mängel bei Inhalt, Logik, Struktur, Stil, Sprache

Die bisher genannten Fehlerarten sind alle weitgehend objektivierbar. Es ist grundsätzlich erst einmal leicht zu beurteilen, ob ein Wort richtig oder falsch geschrieben ist oder ob Schreibweisen im Text einheitlich durchgehalten wurden (auch wenn es schwierig ist, diese falsch oder uneinheitlich geschriebenen Wörter im Text zu entdecken). Daneben gibt es aber auch noch Fehler und Mängel, die weniger offensichtlich sind und durchaus von der subjektiven Einschätzung des jeweiligen Bearbeiters oder der jeweiligen Bearbeiterin abhängen können.

Als Faustregel kann gelten, dass die objektivierbaren Fehler eher im Korrektorat aufgestöbert werden, während die folgenden Aspekte eher Thema im Lektorat sind. Grundsätzlich gilt zwar, dass der Autor und die Autorin für die Korrektheit dieser Punkte verantwortlich sind. Der Lektor oder die Lektorin macht nur Vorschläge und hat keinen Einfluss darauf, ob diese auch angenommen werden. Das ändert aber nichts daran, dass diese Mängel von Dritten oft als Fehler wahrgenommen und häufig dem Bearbeiter oder der Bearbeiterin angekreidet werden.

Inhalt

Ist das, was dort geschrieben ist, inhaltlich überhaupt richtig? Das ist weniger einfach zu beantworten, als es zunächst scheint. So lassen sich beispielsweise historische, medizinische, juristische etc. Fakten recht einfach recherchieren und damit verifizieren oder falsifizieren. Wie aber werden diese Fakten bewertet? Da gibt es eine große Bandbreite. Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der Fakt nicht gleich Fakt ist. Ich erinnere nur an den Begriff "alternative fact", den die US-Amerikanerin Kellyanne Conway geprägt hat – immerhin Beraterin des Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Logik

Ähnliches gilt für die Logik. Was dem einen völlig logisch erscheint, ist für den nächsten ein komplettes Rätsel. Bei der Bewertung dieser Frage ist es wichtig, die Zielgruppe des Textes im Blick zu behalten. Ein Fachtext zu einem mathematischen Problem muss nicht für jedermann logisch sein, für andere Mathematiker oder Mathematikerinnen jedoch schon.

Struktur

Ob die Struktur eines Texts passt oder nicht, ist schon eindeutiger. Schritt-für-Schritt-Anleitungen oder ein chronologischer Aufbau lassen sich relativ leicht auf Korrektheit überprüfen. Auch argumentative oder inhaltliche Dopplungen oder Lücken sind recht einfach zu identifizieren. Aber auch bei der Struktur gibt es natürlich Fälle, die weit weniger eindeutig sind und die für Diskussionen sorgen.

Stil und Sprache

Typische stilistische Mängel sind beispielsweise Passivkonstruktionen, Substantivierungen, Bandwurmsätze, Man-Sätze, der übermäßiger Einsatz von Fachbegriffen etc. Weiterhin kann die Sprache nicht zielgruppengerecht sein oder von den Sprachregelungen des Unternehmens abweichen. Handelt es sich in diesen Fällen um Fehler? Aus strenger Lektorinnensicht muss ich sagen: Ja, im Grunde sind das Fehler, die während der Bearbeitung ausgemerzt werden sollten. Aber auch hier liegt die endgültige Entscheidung beim Autor oder der Autorin.

Wie errechnet sich die Fehlerquote?

Eine Quote setzt immer zwei Werte ins Verhältnis zueinander. Die Fehlerquote ergibt sich aus der Anzahl der Fehler im Gesamttext im Verhältnis zum Gesamttext. Aber was genau heißt das?

Welche Fehler zählen?

Die Auflistung oben zeigt: Jeder Text bietet unzählige Fehlerquellen – vermutlich habe ich sogar noch einige vergessen (und damit einen Fehler in diesen Text eingebaut). Die Frage ist nun, wie sich diese Vielzahl auf die Fehlerquote auswirkt.

  • Welche Fehler werden in der Fehlerquote berücksichtigt? Wer nur Rechtschreib-, Zeichensetzungs- und Grammatikfehler zählt, tut dem Dienstleister oder der Dienstleisterin möglicherweise Unrecht, wenn diese bei der Bearbeitung unzählige Fehler in mathematischen Berechnungen oder in Abbildungen rausgefischt haben.
  • Was war vereinbart? Wer ein Lektorat bucht, bekommt seinen Text mit Kommentaren zu Stil und Sprache, mit Vorschlägen zu strukturellen Veränderungen und mit einem ganzen Fragenkatalog zum Inhalt zurück. Fällt einem Lektor oder einer Lektorin ein Rechtschreibfehler auf, wird dieser zwar korrigiert, eine explizite Suche danach findet in einem Lektorat aber nicht statt. Die Fehlerquote nach einem Lektorat und vor dem Korrektorat zu berechnen, ist also wenig sinnvoll.
  • Wie viele der Korrekturen wurden tatsächlich angenommen? Diese Frage wird dann wichtig, wenn sich Auftraggeber und Auftragnehmer über die Qualität des Endergebnisses streiten. Bei Rechtschreib-, Zeichensetzungs- und Grammatikfehlern sollte die Quote der angenommenen Korrekturen nahe 100 Prozent liegen. Bei anderen Korrekturen kann sie aber auch weit darunter liegen. So werden erfahrungsgemäß Fehler in Abbildungen oft nicht ausgemerzt, weil es zu aufwendig ist, die Grafiken und Bilder neu zu erstellen. Das ist aber von Auftraggeber zu Auftraggeber unterschiedlich.

Welcher Bezugswert ist für die Fehlerquote sinnvoll?

Die Anzahl der Fehler soll für die Fehlerquote auf den Gesamttext bezogen werden. Was aber ist der Gesamttext? Die Anzahl der Zeichen? Der Wörter? Der Seiten? Der Textdienstleister Zindel, der auf technische Dokumentationen spezialisiert ist, hat dazu eine sehr lesenswerte Präsentation (Ohne Fehler geht es nicht – Doch wie viele Fehler sind erlaubt?, www.zindel.de, Autor: Hansl Rothbauer) erstellt. Ein Zitat daraus:

"Fehlerquote – Wie viel ist 1 Prozent?

  • Von den 100 Seiten ist nur 1 Seite falsch.
  • Von den 30 000 Wörtern sind ganze 300 Wörter fehlerhaft.
  • Von den 200 000 Zeichen sind ganze 2000 Zeichen verkehrt.

Solange die Bezugsgröße nicht definiert ist, bleibt die Angabe einer Fehlerquote ohne Aussagekraft."

Das Problem bei Bezugswerten wie Wörter, Zeichen und Seiten ist, dass bei ihnen Aspekte wie Logik, Inhalt und Struktur nicht berücksichtigt werden. In der genannten Präsentation wird daher zur Berechnung der Fehlerquote sinnvollerweise ein erweiterter Ansatz gewählt: Die Zahl der Fehler wird in Bezug gesetzt zur Zahl der Zeicheneinheiten im Sinne der Semiotik (das ist die Lehre von Zeichensystemen aller Art). Zu den Zeicheneinheiten gehören Wörter, Sätze, ganze Absätze, Abbildungen, Symbole, Auszeichnungen etc., also letztlich alles, was einen Inhalt vermittelt. Laut Präsentation beträgt das Verhältnis von Wörtern zu Zeicheneinheiten 100:120. Ich bin versucht, diese Quote sogar noch höher anzusetzen: Im Vortrag wurden Aspekte wie Stil und Sprache nicht berücksichtigt, die jedoch in der Kommunikation eine immense Bedeutung tragen.

Für die Zahlen aus dem obigen Beispiel ergibt sich also, dass ein Text mit 30 000 Wörtern (mindestens) 36 000 Zeicheneinheiten enthält. Eine Fehlerquote von 1 Prozent hieße, 360 dieser Zeicheneinheiten sind in irgendeiner Form falsch.

Welche Fehlerquote ist akzeptabel?

Stellt sich nun die Frage, wie viele Fehler in einem Text als gerade noch akzeptabel gelten können. Das kann nur der Auftraggeber oder die Auftraggeberin entscheiden. Wer einen weitgehend fehlerfreien Text haben möchte, muss entsprechend in die Qualität investieren. Das kann beispielsweise bedeuten, ausreichend Mittel aufzuwenden, damit eine Korrektur nach dem Vier-Augen-Prinzip möglich ist.

Profis sind in der Regel bemüht, die Fehlerquote unter 0,1 Prozent zu drücken. Ob das allerdings gelingt, hängt von vielen Faktoren ab, vor allem von der Qualität des Ausgangstextes und den Ressourcen – also Zeit und Geld –, die zur Verfügung stehen. Wer unter Zeitdruck einen stark mit Fehlern durchsetzten Text korrigieren soll, wird mehr übersehen als jemand, dem ein sauberer Ausgangstext vorliegt und der ausreichend Zeit für die Kontrolle hat. Es ist einfach, über Fehler in einem Text zu schimpfen. Ich selbst bin jedoch sehr vorsichtig mit solcher Schelte geworden, denn in der Regel kenne ich weder den Ursprungstext noch die Rahmenbedingungen oder die Absprachen zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer. Ohne diese Informationen ist es allerdings oft schwierig, die Qualität der Arbeit zu bewerten (wobei es durchaus auch Fälle gibt, in denen die Schlamperei offenkundig ist).

Übrigens habe ich einmal gelesen, dass Korrektoren und Korrektorinnen in Verlagen besonders häufig an Burnout erkranken, weil sie zu wenig Anerkennung erhalten. Während niemand sieht, wie viele Fehler sie – oft unter Zeitdruck arbeitend – aus dem Text rausgeholt haben, wird ihnen jeder noch so kleine Lapsus, der ihnen durchgerutscht ist, zum Vorwurf gemacht. Eine sehr belastende Situation. Leider finde ich die Quelle nicht mehr (wieder ein Fehler!). Aber vielleicht kennt jemand diesen Text und hat dazu einen Link oder Ähnliches? Dann würde ich mich über einen Hinweis in den Kommentaren freuen.

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Cordula Natusch - Ihre Expertenbuch-Expertin

7 Fragen an Ihren Lektor

Ein guter Lektor holt das Beste aus Ihrem Text heraus. Er stellt die richtigen Fragen, unterbreitet Ihnen zahlreiche Verbesserungsvorschläge und sorgt dafür, dass Ihre Publikationen genau die Wirkung erzielen, die Sie beabsichtigen.

Lektoren und Lektorinnen gibt es viele! Wie da den einen Dienstleister finden, der wie geschaffen ist für Ihren Text, Ihr Sachbuch oder Ihren Ratgeber? Mit sieben Fragen finden Sie den passenden Lektor oder die passende Lektorin für Ihr Expertenbuch.

1. Frage an den Lektor: Welche Qualifikation bringt er mit?

„Lektor“ oder „Lektorin“ sind keine geschützte Begriffe. Wer auch immer meint, Texte sinnvoll bearbeiten zu können, darf sich so nennen. Um so mehr lohnt es sich, kritisch nachzufragen und den Dienstleistern und Dienstleisterinnen, die für Ihr Expertenbuch infrage kommen, ein wenig auf den Zahn zu fühlen. Welche Ausbildung haben sie durchlaufen? Für welche Kunden und Kundinnen haben sie welche Projekte betreut? Welche Referenzen können sie Ihnen liefern?

Die meisten professionell arbeitenden Lektoren und Lektorinnen haben einen akademischen – häufig sprach- oder literaturwissenschaftlichen Abschluss – und können mehrere Jahre Berufserfahrung etwa in Verlagen oder in anderen Unternehmen nachweisen. Bei Lektoren und Lektorinnen, die Wirtschafts- und Finanzbücher bearbeiten, ist ein kaufmännischer Hintergrund, eine Ausbildung zum Bankkaufmann oder zur Bankkauffrau, ein BWL-Studium oder Ähnliches mehr als sinnvoll.

Regelmäßige Fortbildungen sind für professionell arbeitende Lektoren und Lektorinnen Pflicht, insbesondere wenn sie als Fachlektoren und -lektorinnen spezielle Themen bearbeiten.

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2. Frage an den Lektor: Über wie viel Erfahrung verfügt er?

Textarbeit ist in weiten Teilen Erfahrungssache. Wie wirken die unterschiedlichen Formulierungen und die verschiedenen Stilmittel auf den Leser und die Leserin? Was ermöglicht einen leserfreundlichen Textfluss und steigert das Lesevergnügen, was dagegen verhindert beides? Welche Textelemente führen dazu, dass der Inhalt verständlich wird – und an welchen Stellen kann auch einmal beherzt gestrichen werden, um Redundanzen zu verhindern?

Aber auch: Wann ist es für den Lektor und die Lektorin kritisch bis unangebracht, in den Text einzugreifen?

Die Kunst beim Lektorieren ist, einen vorliegenden Text zu verbessern, ohne die Aussagen zu verzerren und die Stimme des Autors oder der Autorin zu verfälschen. Gerade bei komplexen Themen und sprachlich schwierigen Texten spielt die Erfahrung des Lektors und der Lektorin eine entscheidende Rolle. Je länger der Beruf ausgeübt wird, desto besser ist das Sprachgefühl ausgeprägt, desto mehr Expertise für die einzelnen Textformen ist vorhanden, desto sicherer und überlegter finden Eingriffe statt.

3. Frage an den Lektor: Welche Texte bearbeitet er in der Regel?

Unternehmen haben andere Ansprüche an einen Lektor und eine Lektorin als Autoren und Autorinnen, die ihren ersten Roman veröffentlichen, oder wissenschaftliche Institutionen, die Forschungsergebnisse publizieren.

Beauftragen Sie Fachleute, die Erfahrung mit Sachbüchern und Ratgebern haben und sich mit dem Aufbau und der Gestaltung von Expertenbüchern auskennen. Suchen Sie Dienstleister, die Sie durch den gesamten Schreib- und Veröffentlichungsprozess begleiten, die die Verlagslandschaft kennen und Sie bei der Vermarktung unterstützen können. Die dafür sorgen, dass Sie und Ihre Expertise durch gut geschriebene Bücher in der Öffentlichkeit kompetent, zuverlässig und seriös erscheinen und Ihre Positionierung eindeutig ist.

4. Frage an den Lektor: Welche Leistungen bietet er an?

Was genau soll der Lektor oder die Lektorin für Sie erledigen? Geht es Ihnen darum, dass Rechtschreib-, Grammatik- und Zeichensetzungsfehler aus Ihrem Text eliminiert werden – wünschen Sie sich also eher ein Korrektorat? Oder wollen Sie Ihren Lektor oder Ihre Lektorin schon in der Frühphase Ihres Projekts mit ins Boot holen und mit ihm oder ihr zusammen ein Konzept für ein Fach- oder Sachbuch, einen Ratgeber entwickeln? Vielleicht suchen Sie auch jemanden, der regelmäßig Sie im gesamten Veröffentlichungsprozess begleitet, Sie beim Schreiben coacht und für Sie Ihr Buchprojekt steuert?

Lektoren und Lektorinnen bieten ein unterschiedliches Spektrum an Leistungen an. Überlegen Sie sich, welche Dienstleistungen Sie sich wünschen, und fragen Sie nach. Wir sind Profis, wenn es um die Bearbeitung und Veröffentlichung von Texten geht. Das geht weit über die reine Textprüfung hinaus. Die meisten Lektorinnen und Lektoren verfügen zudem über ein großes Netzwerk anderer Dienstleister und Dienstleisterinnen, um auch umfangreiche Projekte bewältigen und angrenzende Leistungen anbieten zu können. Klären Sie im Gespräch genau, welche Arbeiten im Angebot des Lektors und der Lektorin enthalten sind und welche nicht.

5. Frage an den Lektor: Wie arbeitet er?

Das Vorgehen eines Lektors oder eine Lektorin ist entscheidend dafür, ob Sie mit dem Ergebnis zufrieden sind oder nicht. Und die Herangehensweise an einen Text ist von Lektor zu Lektorin unterschiedlich.

Vereinbaren Sie ein Probelektorat: Ich biete meinen potenziellen Kunden, wie viele andere Lektorinnen und Lektoren auch, ein kostenloses Probelektorat an. Dafür wähle ich aus Ihrem Text einen kleinen, repräsentativen Ausschnitt aus, bearbeite zwei Normseiten zu 1500 Zeichen inklusive Leerzeichen nach Ihren Vorgaben und schicke Ihnen den Ausschnitt zurück. So können Sie meine Arbeit beurteilen und erhalten im Anschluss von mir ein individuelles Angebot für diesen Text.

6. Frage an den Lektor: Wie läuft die Kommunikation?

Auch wenn für ein Lektorat ein persönlicher Kontakt nicht zwingend notwendig ist und sich die gesamte Kommunikation per E-Mail erledigen lässt, sollten Sie versuchen, mit den Lektoren und Lektorinnen in der engeren Wahl zu telefonieren oder sich nach Möglichkeit sogar mit ihnen zu treffen. Wie verläuft die Kommunikation? Ist Ihnen Ihr potenzieller Geschäftspartner sympathisch? Wie präsentiert sich die Lektorin im Internet? Kann sie Referenzen nennen? Was sagen andere Kunden über das Lektorat und die Zusammenarbeit?

Gerade bei sensiblen Wirtschaftstexten, bei Ratgebern, Sach- und Fachbücher, geht es darum, dauerhaft Vertrauen zu Lesern, zu Kunden, Mitarbeitern, Investoren und Geschäftspartnern aufzubauen. Da ist es sinnvoll, eine Lektorin zu suchen, mit der Sie langfristig zusammenarbeiten wollen, die mit Ihnen gemeinsam Ihre Corporate Language entwickelt sowie umsetzt und die Ihre Ziel- und Bezugsgruppen auf lange Sicht genauso gut kennt wie Sie selbst.

7. Frage an den Lektor: Ist er versichert?

Jede Lektorin und jeder Korrektor will einen Text fehlerfrei an den Kunden liefern. Aber wir sind alle nur Menschen und niemand ist vor Fehlern gefeit, auch nicht der beste Lektor und die beste Lektorin. Und so kann es passieren, dass ein Fehler im Text stehen bleibt, der so gravierend ist, dass ein Neudruck Ihrer Publikation notwendig wird. Das ist ärgerlich. Am meisten ärgert das die Sprachprofis selbst. Und ein Fehler kann teuer werden!

Gehen Sie auf Nummer sicher. Als professionelle Lektorin bin ich versichert für den Fall, dass mir ein gravierender Fehler unterläuft und ein Neudruck notwendig ist.

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Dieser Text ist zuerst in leicht veränderter Form auf der Website redaktion-natusch.de erschienen.

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