Fehler im Expertenbuch vermeiden – von Anfang an

Wer ein Expertenbuch veröffentlicht, will möglichst ein fehlerfreies Buch auf den Markt bringen, klar! Das ist eine große Aufgabe, die nicht allein beim Korrektor oder der Korrektorin liegt. Die Voraussetzungen für eine niedrige Fehlerquote können Businessautorinnen und -autoren bereits im Schreibprozess schaffen. Hier kommt eine Anleitung in fünf Schritten, um Fehler von Anfang an zu vermeiden.

Je weniger Fehler im Ausgangstext, desto besser das Endergebnis

Eine Fehlerquote von 0 Prozent ist schlicht unmöglich, vor allem wenn die gesamte Bandbreite möglicher Fehler berücksichtigt wird. Im Verhaltenskodex für Lektorinnen und Lektoren im VFLL (Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren) heißt daher: „Freie Lektorinnen und Lektoren im VFLL halten die Regeln für einen lauteren Wettbewerb ein. Sie machen weder in ihrer Werbung noch ihren Auftraggebern gegenüber unrichtige oder irreführende Angaben und unterlassen Werbeaussagen, die eine hundertprozentige Fehlerfreiheit in Texten versprechen.“

Gute, professionelle Korrektoren und Korrektorinnen holen erfahrungsgemäß – je nach Ausgangstext, Schwierigkeitsgrad, Zeitdruck, Sprachniveau etc. – zwischen 80 und 95 Prozent der Fehler aus einem Text heraus. Das bedeutet: Je weniger Fehler vorhanden sind, bevor der Text ins Korrektorat geht, desto besser fällt das Endergebnis aus:

  • Sind vor dem Korrektorat im Text 1000 Fehler enthalten, sind danach noch ungefähr 50 bis 200 vorhanden.
  • Sind es jedoch vorher nur 100 Fehler, bleiben nur zwischen 5 und 20 Fehler stehen.

Damit ist klar: Je weniger Fehler von vornherein in den Text eingebaut werden, desto sauberer wird das Buch am Ende.

In diesem Text geht es um objektivierbare Fehler, die ganz zum Schluss herausgefischt werden. Diese Schritte sollten nach dem Lektorat erfolgen. Warum? Weil sich erfahrungsgemäß während des Lektorats sehr viel am Text ändert und sich dabei viele neue Fehler einschleichen können und werden. Ein Korrektorat vor dem Lektorat ist meiner Meinung nach sinnlos.

Schritt 1: Vermeide Fehler schon beim Schreiben

Bereits während des Schreibprozesses kannst du versuchen, die Fehlerquote zu senken, und das auch noch ganz automatisch.

  • Aktiviere die Rechtschreibkontrolle in Word: Auch wenn Word weiß Gott nicht alle Fehler in einem Text findet, weist die Software dich dennoch bereits bei der Texterfassung auf die schlimmsten Mängel hin. Voraussetzung ist nur, dass du die Rechtschreibkontrolle aktiviert hast. Dann unterstreicht Word alle falsch geschriebenen Wörter mit einer roten Kringellinie, sodass du sie überprüfen kannst. Zudem erhältst du Verbesserungsvorschläge, wenn du mit der rechten Maustaste auf das gekennzeichnete Wort klickst.
  • Nutze die Autokorrekturfunktion. Mit der Autokorrekturfunktion werden bestimmte Wörter und Zeichenabfolgen automatisch umgewandelt. Mit ihrer Hilfe kannst du beispielsweise aus der Zeichenfolge – -> einen sauberen Pfeil (→) machen. Viel spannender ist aber, dass du die Autokorrekturfunktion um eigene Einträge ergänzen kannst. Jeder von uns hat Lieblingsfehler, also Wörter, die er oder sie immer wieder falsch schreibt. Bei mir beispielsweise ist es das Wort „Urlaub“, aus dem meine Finger auf der Tastatur immer „Urlabu“ machen. Also habe ich „Urlabu“ irgendwann einmal in die Autokorrektur eingetragen und Word den Befehl gegeben, dies immer durch „Urlaub“ zu ersetzen. Eine Fehlerquelle weniger.
  • Lege Schreibweisen fest. Wenn du in deinem Text mit Produkt- oder Markenbezeichnungen arbeitest, lege so früh wie möglich fest, wie du diese genau schreiben möchtest. In vielen Unternehmen gibt es hierfür spezielle Schriftzüge: Willst du diese übernehmen oder nicht? Halte diese Entscheidungen schriftlich fest und lege entsprechende Autokorrekturen an. Gleiches gilt für Zweifelsfälle. Wenn du beispielsweise immer „so genannt“ statt „sogenannt“ schreiben willst, ist das ein Fall für die Autokorrekturfunktion.

Schritt 2: Finde und eliminiere Fehler im ersten Durchlauf

Wenn du mit dem Schreiben fertig bist, kommt der erste Korrekturdurchlauf. Diesen kannst du noch gut selbst durchführen.

  • Lass das Korrekturprogramm von Word über deinen Text laufen. Grobe Fehler kannst du damit gut aufspüren, auch wenn die Software alles andere als perfekt ist. Wenn dir eine andere Korrektursoftware vorliegt, nutze auch diese.
  • Lies deinen Text selbst gründlich Korrektur. Wann immer du dir unsicher bist, lohnt sich ein Griff zum gelben Duden.
  • Um möglichst viele Fehler zu finden, ist es notwendig, innere Distanz zum eigenen Text zu gewinnen. Das ist nicht einfach, aber ein paar Tricks helfen dabei:
    • Lass deinen Text zunächst eine Weile liegen, bevor du ihn gegenliest. Mit „frischen“ Augen siehst du mehr Fehler.
    • Druck den Text aus. Fehler fallen auf dem Papier schneller auf.
    • Ändere die Schriftart, -größe und -farbe deines Texts, wenn du korrigierst.
    • Wähle für das Korrektorat eine andere Arbeitsumgebung.
    • Lies dir den Text selbst laut vor.
    • Lies deinen Text Wort für Wort rückwärts.
  • Möglicherweise fallen dir noch weitere Wörter oder Schreibweisen auf, die du vereinheitlichen willst. Vielleicht hast du bisher in deinem Text eine bunte Mischung aus „EUR“, „Euro“ und „€“ versammelt. Dann bestimme nun, auf welche Art du Währungen bezeichnen willst. Anschließend startest du einen Suchlauf mittels „Suchen + Ersetzen“ in Word und vereinheitlichst alle Textstellen.
  • Überlege, ob deine Festlegungen weitergehende Konsequenzen haben. Wenn du dich für das „€“-Zeichen entscheidest, solltest du gegebenenfalls die Schreibweisen „US-Dollar“ und „USD“ analog durch das „$“-Zeichen ersetzen. Geh auch hier den Weg über „Suchen + Ersetzen“ in Word.

Schritt 3: Bitte Freunde darum, nach Fehlern zu suchen

Vier Augen sehen mehr als zwei und sechs sehen sogar noch mehr! Bitte also Freunde und Freundinnen, die die deutsche Rechtschreibung sicher beherrschen, um eine Korrektur.

Schritt 4: Beauftrage einen Profi mit dem Korrektorat

Nun hast du selbst schon möglichst viele Fehler aus dem Text herausgenommen und es ist Zeit, einen Profi zu beauftragen. Suche dir jemanden, der weiß, was er oder sie tut. Ich habe schon Korrektorate von „Hobby-Korrektoren“ erlebt, bei denen im Anschluss mehr Fehler im Text vorhanden waren als zuvor. Bei speziellen Themen, die ein besonderes Vokabular verwenden, solltest du einen Korrektor oder eine Korrektorin wählen, der oder die sich mit der Materie auskennt.

  • Wenn der Korrektor oder die Korrektorin mit einer Korrektursoftware wie dem Duden Korrektor arbeitet, sollte diese Software zuerst zum Einsatz kommen. Als Faustregel kann gelten, dass eine Software etwa 50 Prozent aller Fehler einem Text findet. Im ersten Durchlauf, wohlgemerkt! Im zweiten findet sie keine neuen Fehler mehr, weil sie dann an ihre Grenzen stößt.
  • Nun folgt der händische Korrekturlauf des Korrektors oder der Korrektorin. Führen wir das Beispiel von oben weiter: Im Text waren, bevor er in das professionelle Korrektorat gegeben wurde, 1000 Fehler enthalten. Die Korrektursoftware findet circa 50 Prozent, also sind bei Beginn des ersten händischen Korrekturlaufs noch circa 500 Fehler vorhanden. Wie erwähnt, finden die Profis pro Durchlauf zwischen 80 und 95 Prozent aller Fehler, das heißt, nach dem ersten Durchlauf bleiben also 25 bis 100 stehen. Wenn dir als Auftraggeber oder Auftraggeberin das zu viele Fehler sind, buche einen zweiten Durchlauf. Damit findet der Korrektor oder die Korrektorin wieder zwischen 80 und 95 Prozent der noch vorhandenen Fehler, es verbleiben also bis zu 20 Fehler im Text.
  • Bei sehr bedeutsamen Publikationen ist es sinnvoll, nach dem Vier-Augen-Prinzip zu korrigieren. Jeder Korrektor und jede Korrektorin sieht andere Fehler und Mängel in einem Text. Dies ist die erfolgversprechendste Maßnahme für möglichst fehlerfreie Texte.

Schritt 5: Lass ein Schlusskorrektorat durchführen

Wenn dein Buch perfekt sein soll, lass nach dem Buchsatz eine sogenannte Schlusskorrektur (auch Fahnenkorrektur genannt) machen. Erst im gesetzten Text können Trennungsfehler und Satzfehler wie „Witwen und Waisen“ entdeckt werden. Damit sind einzelne Zeilen gemeint, die am Ende oder am Anfang einer Buchseite stehen. Außerdem fallen Layoutfehler wie beispielsweise falsche Auszeichnungsformate, falsche Schriftzeichen oder -arten, falsche Überschriftenformate etc. hier auf.

Übrigens: Professionelle Korrektoren und Korrektorinnen sind gegen gravierende Fehler, beispielsweise Fehler im Buchtitel oder Ähnliches, versichert.

domnitsky-AdobeStock

2 Kommentare
  1. Anja Becker
    Anja Becker sagte:

    Liebe Cordula, wieder ein so toller Artikel über Fehler in Texten. Danke vielmals! Ich schreibe grundsätzlich Semianr, ups, Seminar falsch. Da hätte ich auch mal selbst drauf kommen können, das in die Autokorrekturliste einzutragen! Habs nun nachgeholt. 🙂
    Viele Grüße!
    Anja
    PS: Inzwischen habe ich Angst, einen Beitrag von dir zu verpassen, und hab mich daher mal lieber für deinen Newsletter angemeldet. 😀

    Antworten
    • CordulaNatusch
      CordulaNatusch sagte:

      Haha, Seminar ist auch so ein schwieriges Wort. Das kenne ich. Es freut mich, dass dir meine Texte so gut gefallen. Und natürlich auch, dich als Abonnentin meines Newsletters begrüßen zu dürfen.
      Beste Grüße
      Cordula

      Antworten

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