Schreib bloß kein Buch …

nur weil dir irgendjemand gesagt hat, du müsstest unbedingt ein Buch schreiben. Welche Motive hast du, ein Buch zu veröffentlichen? Welche Ziele verfolgst du? Überlege, was du mit deiner Publikation überhaupt erreichen willst. Und dann schreib ein Buch, das genau zu dir und deinen Zielen passt!

Ziele, die du mit einem Expertenbuch erreichen kannst

Ganz ehrlich? Ein wirklich gutes Fachbuch, Sachbuch oder einen guten Ratgeber zu schreiben, ist ziemlich aufwendig. Schließlich willst du mit deinem Buch nicht im Quark der vielen schlecht gemachten E-Books mit zusammengerührtem Internetcontent und Billigdeckel enden, oder?

Wenn du deinem Publikum eine Buchdelikatesse servieren willst, nach deren Lektüre sich alle die Finger lecken und „mehr“ rufen, dann musst du einiges an Zeit und Geld investieren. Damit sich das auch lohnt, überlege dir erst, warum du ein Buch schreiben willst. Gute Gründe für ein Buch gibt es genug.

Frage dich also: Wozu brauchst du ein Buch überhaupt? Was willst du damit erreichen?

Ziel: Positionierung – „Dafür stehe ich mit meinem Namen!“

„Dafür stehe ich mit meinem Namen!“ Diesen Ausspruch von Herrn Hipp kennst du aus der Werbung für Babynahrung.

Wofür stehst du mit deinem Namen? Für welche Inhalte? Welche Werte? Das sind die Kernfragen deines Buchs (und deines Business natürlich). In deinem Expertenbuch (da steht groß dein Name drauf!) gibst du mit vielen Worten darüber Auskunft, was dich und deine Dienstleistung ausmacht, wie du dich von deiner Konkurrenz abhebst und was du der Welt zu bieten hast.

In keinem anderen Medium kannst du so sehr in die Details gehen und vertiefte Informationen bieten. Mit deinem Buch kannst du deinem Leser und deiner Leserin gezielt und gebündelt eine ganze Flut an Informationen und konkrete Hilfsmitteln an die Hand geben. Du kannst damit authentisch und unverwechselbar kommunizieren. Mit anderen Worten: Ein Expertenbuch ist ein ideales Mittel, um deine Botschaft und damit deine Positionierung in die Welt zu tragen.

Ziel: Glaubwürdigkeit – „Ich weiß Bescheid!“

Autor von ... – was für ein schöner Zusatz auf der Visitenkarte! Wer ein ganzes Buch zu diesem Thema geschrieben hat, der muss sich doch darin auskennen. Dem kann ich vertrauen, dem kann ich glauben, dass er wirklich Ahnung hat.“ Diese und ähnliche Gedanken laufen in den Köpfen der Menschen ab, wenn du als Experte oder Expertin erst einmal ein Fachbuch, ein Sachbuch oder einen Ratgeber veröffentlicht hast. Du erhältst fast automatisch einen Vertrauensvorschuss: So viel Wissen, das es ein ganzes Buch füllt. So viel Disziplin, all das aufzuschreiben …

Erfülle die Erwartungshaltung deiner Leserinnen und Leser und biete ihnen hochwertige Informationen. Damit dein Buch deine Glaubwürdigkeit tatsächlich erhöht, muss es vor allem Qualität liefern. Inhaltlich sowieso, aber auch in der Aufbereitung des Textes, in der Gestaltung und der Ausstattung sollte es auf jeder Seite vermitteln, dass du weißt, worum es geht, dass du sorgfältig arbeitest und dass man dir vertrauen kann.

Sonst ist die Glaubwürdigkeit schnell futsch – und das oft dauerhaft.

Ziel: Aufklärung – „Ich mache mein Thema bekannt“

„Lecker und gesund essen ganz ohne tierische Produkte …“ Vor ein paar Jahren war das noch absolutes Nischenthema – heute ist Veganismus ein Riesenmarkt. Bis es dazu kam, haben sich viele Menschen um das Thema gekümmert, darüber gesprochen und darüber geschrieben, auch wenn es erst einmal nur eine kleine Gruppe Kunden und Kundinnen interessierte.

Wer sich früh in einer Nische breit macht, hat die Chance, sich langfristig als Experte oder Expertin zu etablieren, ein Thema zu besetzen und zu einem Trendsetter zu werden. Zudem wissen wir doch alle, dass in der Nische das Geld liegt, oder?

Dein Buch hilft dir dabei, dein Thema bekannt(er) zu machen. Expertinnen und Experten brennen für ihr Thema. Sie wollen auf ein Problem aufmerksam machen, Hintergründe erläutern und Hilfe anbieten. Aufklärung ist bei vielen Businessautoren und -autorinnen ein wichtiger Motivator, um sich in das Abenteuer „Buch schreiben“ zu stürzen (das zeigte auch die BoD-Selfpublishing-Studie 2019). Ein Expertenbuch ist für dieses Anliegen ein klassisches Instrument.

Ziel: Kundenbindung – „Das schenk ich dir“

Weihnachten, Geburtstage, Firmenjubiläen, Großevents&nbps;… es gibt laufend Gelegenheiten, den Leuten neue Werbekugelschreiber, Feuerzeuge mit dem Firmenlogo oder gebrandete Taschenkalender unterzujubeln. Allerdings: Braucht irgendjemand wirklich noch einen weiteren Kugelschreiber?

Die Frage ist doch: Was wünschen sich deine Kunden und Kundinnen tatsächlich von dir? Was kannst nur du ihnen bieten? Ganz einfach: deine Kompetenz, dein Wissen, deine Tipps und Ratschläge – beispielsweise verpackt in einem Ratgeber, in einem Fach- oder Sachbuch. Verschenke zu Weihnachten und anderen Gelegenheiten also keine Werbegeschenke, die keiner braucht, sondern besser ein selbst geschriebenes und hochwertiges Buch. Mit einem Expertenbuch als Kundenbindungsinstrument stellst du nicht nur eine Verbindung zu deinem Produkt oder deiner Dienstleistung her, du bietest vor allem einen echten Mehrwert und bringst dich positiv in Erinnerung. Kein anderes Marketinginstrument strahlt eine solche Wertigkeit aus wie ein eigenes Buch.

Ziel: Communityaufbau – „Kommet zuhauf!“

„Trag dich in meine E-Mail-Liste ein und ich schenk dir mein Buch!“ Auch wenn solche Tauschgeschäfte durch das Kopplungsverbot in der DSGVO ziemlich unter Beschuss geraten sind, sind sie dennoch in Massen im Internet zu finden und unter bestimmten Umständen auch rechtlich einwandfrei umsetzbar.

Auch diese sogenannten Freebooks solltest du gründlich planen, sorgfältig schreiben und veröffentlichen. Immerhin wendest du dich damit an potenzielle Neukunden, also an Menschen, die dich und dein Angebot noch nicht kennen, die du erst noch überzeugen musst.

Ziel: Sichtbarkeit – „Ich bin interessant für dich“

Ein Buch ist ein Ereignis. Wer ein Buch geschrieben hat, wird quasi automatisch interessant – für die Medien und für Influencer im Netz. Jede Zeitung und Zeitschrift, jeder Radio- und Fernsehsender, jeder Blog und Podcast muss regelmäßig relevante Neuigkeiten veröffentlichen, um seine Leser und Zuhörer zu halten. Wenn dein Expertenbuch wirklich gut ist, wenn du etwas zu sagen hast und wenn dein Thema zum Medium passt, hast du gute Chancen, dass dein Buch dort vorgestellt und besprochen wird. Oder dass du ein Interview geben oder einen Gastartikel schreiben kannst. So nutzt du die Reichweite anderer Personen und baust deine Sichtbarkeit aus. Und selbst wenn es nicht sofort mit einer Buchbesprechung oder einem Interview klappt, hast du zumindest deinen Namen in den Ring geworfen und wertvolle Kontakte geknüpft.

Hier gilt: Mach dein Expertenbuch bekannt, um als Experte bekannt zu werden.

Übrigens ist so etwas auch immer ein Geben und Nehmen. Wenn du die Reichweite von jemandem nutzen willst, solltest du auch deine eigene Reichweite zur Verfügung stellen. Oder du bietest ein besonderes Goodie an: eine Checkliste nur für Leser und Leserinnen dieses einen Blogs, eine Fragerunde im Anschluss an ein Interview und Ähnliches.

Ziel: Branding – „Meins!“

Ein Logo auf dem Cover. Die Aufforderung, sich für deinen E-Mail-Newsletter anzumelden, auf Seite 17 oder 105. Werbung für deine Beratung oder dein sonstiges Angebot am Schluss des Buchs. Wenn du im Selfpublishing veröffentlichst, kannst du dein Expertenbuch perfekt mit deinem eigenen Branding gestalten. So schaffst du einen großen Wiedererkennungswert bei deinen Leserinnen und Lesern.

Übrigens: Anders als andere Werbemittel wie etwa Flyer landen Bücher in der Regel im Regal – und nicht im Papierkorb. Da stehen sie dann für lange Zeit im Blickfeld deiner Kunden und Kundinnen und bringen dich regelmäßig ins Gedächtnis.

Ziel: zusätzliches Einkommen – „Money! Money! Money!“

Mit Büchern lässt sich Geld verdienen. Vor allem mit kurzen E-Books macht so mancher den einen oder anderen Euro. Diese Bücher kommen oft mit eher fragwürdigen, sprich nicht sauber recherchierten sowie schlecht und flüchtig geschriebenen, Inhalten und einem einfachen Cover daher. Dann werden sie bei Amazon KDP hochgeschoben. Die Vermarktung läuft allerdings oft sehr professionell. Mit solchen sogenannten Fakebüchern kann man Geld verdienen, als Experte kann man sich so aber auch schnell den Ruf ruinieren …

Wirklich reich werden nur die wenigsten Autoren und Autorinnen. Selbst ein Platz auf der Spiegel-Bestsellerliste beschert vielleicht einen warmen Geldregen, aber keinen dauerhaften Reichtum. Aber mit einer guten Strategie ist es durchaus möglich, sich als Businessautor oder -autorin ein zusätzliches Einkommen zu verschaffen: wenn nicht nur ein Buch vorhanden ist, sondern mehrere, die im Idealfall als Reihe aufeinander aufbauen und sich so gegenseitig stärken. Wenn ein gutes Marketing die Bücher bekannt macht. Und vor allem, wenn die Qualität der Bücher so überzeugend ist, dass die Leser und Leserinnen nicht schon das erste Buch gelangweilt und genervt in die Ecke werfen, sondern mehr von diesem Experten oder dieser Expertin lesen wollen.

Viel wichtiger ist aber für Businessautoren und -autorinnen ein ganz anderer finanzieller Aspekt: Wer gute Bücher schreibt, kann langfristig die Honorare für seine eigentliche Dienstleistung erhöhen. Hier liegt der eigentliche Hebel für mehr Einkommen. Sieh dein Buch vor allem zu Beginn als Marketinginstrument!

Ziel: Erfahrungen sammeln – „Wie werde ich Businessautor?“

„Ich – ein Buch schreiben? Wie geht das überhaupt und wie lange dauert es? Welche Dienstleistungen brauche ich und wen buche ich dafür? Wie erreiche ich meine Leserinnen und Leser und wie reagieren diese auf mein Buch?“

Wer ein Buch schreibt, lernt sehr, sehr viel. Über sich selbst und sein Angebot, aber auch darüber, was seine Kunden und Kundinnen sowie interessierte Dritte denken und wollen. Nutze die Erfahrungen, die du als Autor und Autorin sammelst, und lass sie in dein nächstes Buch einfließen. Schreiben und Veröffentlichen kann man lernen.

Und mit jedem Buch, das du veröffentlichst, baust du dein Publikum, deine Fangemeinde aus. Du gewinnst immer mehr begeisterte Leser und Leserinnen, die schon auf deine nächste Publikation warten. Das ist einer der (vielen) Gründe, warum sich auch für Businessautoren und -autorinnen der Weg über das Selfpublishing lohnt. Wenn du eine große Community und umsatzstarke Publikationen vorweisen können, wirst du automatisch auch für Verlage interessant. Dann gehst du mit einer stärkeren Position in die Vertragsverhandlungen und kannst die Konditionen deutlich verbessern – sofern du als erfolgreicher Selfpublisher oder erfolgreiche Selfpublisherin überhaupt noch über einen Verlag publizieren willst.

Ziel: Ein Platz auf der Bestsellerliste – „Ich denke groß!“

Hu, puh, nun ja … Also, ein Platz auf der (Spiegel-)Bestsellerliste ist wirklich ein großes Ziel. Aber es nicht unerreichbar. Nur wird es in der Regel nicht mit dem ersten Buch klappen, es sei denn, du bist ein Promi, dessen Namen auf dem Buchdeckel allein schon die Massen in die Buchhandlungen treibt.

Plane langfristig und strategisch, bau systematisch ein Thema auf, das für ein breites Publikum interessant ist, kümmere dich um eine große, treue Community, sammel Erfahrungen im Publizieren und Vermarkten. Schreib nicht nur ein Buch, sondern mehrere. Probier aus, was funktioniert, was deine Publikationen erfolgreich macht – und was nicht. Mit jedem dieser Schritte wächst die Wahrscheinlichkeit, dass der große Wurf irgendwann einmal wirklich gelingt und einer deiner Titel auf der Bestsellerliste landet. Eine Garantie dafür gibt es allerdings nicht.

Das Ziel bestimmt das weitere Vorgehen

Je genauer du weißt, was du eigentlich mit deinem Expertenbuch erreichen willst, desto einfacher wird es, das weitere Vorgehen zu bestimmen.

  • Du willst deine Community mithilfe des Buchs auf- und ausbauen? Dafür brauchst du ein Buch, das du unkompliziert und weit streuen kannst – ein E-Book im Selfpublishing ist dafür gut geeignet.
  • Du willst zeigen, wie du dich genau positionierst, und deine Glaubwürdigkeit erhöhen? Dann schreib ein umfassendes Sachbuch zu deinem Thema. Achte auf hohe Qualität in allen Bearbeitungsschritten. Gedruckte Hardcoverbücher machen Eindruck.
  • Du willst mit Influencern ins Gespräch kommen und deine Sichtbarkeit ausbauen? Wie wäre es mit einem Buch, in dem du eine kontroverse These aufstellst und zu Diskussionen einlädst?

Es gibt zahllose Möglichkeiten, dein Buch auf deine Ziele auszurichten. Der erste Schritt ist aber immer: Mach dir klar, was du mit deinem Buch überhaupt erreichen willst. Und schreib bloß kein Buch, nur weil dir jemand gesagt hat, dass du unbedingt ein Buch bräuchtest …

Abb.: Sergey Tinyakov-shutterstock

2 Kommentare
  1. Nicole Arndt-Stadt
    Nicole Arndt-Stadt sagte:

    Liebe Cordula,

    ich lese mich derzeit durch Ihren Blog – vielen Dank vorab für die vielen Artikel und Infos – sie sind wunderbar zur Schaffung eines ersten Überblicks.

    Meine Frage zu diesem Artikel: Sie schreiben „Wenn Sie Selfpublishing veröffentlichen, können Sie Ihr Expertenbuch perfekt mit Ihrem eigenen Branding gestalten.“ Genau das sind meine Überlegungen und es klingt so, als wäre dies nur im SP möglich und nicht bei der Veröffentlichung in einem Verlag (?). Oder ist das ebenso bei einem Verlag möglich?

    Herzliche Grüße,
    Nicole Arndt-Stadt

    Antworten
    • CordulaNatusch
      CordulaNatusch sagte:

      Hallo, Nicole,
      ausgeschlossen ist ein Branding natürlich auch bei klassischen Verlagspublikationen nicht. Wenn der Name des Autors/der Autorin oder der dahinterstehenden Organisation groß genug ist, um als Werbung zu dienen, wird der Verlag diese Möglichkeit sogar gern nutzen. So habe ich als Lektorin auch schon Publikationen für einen Verlag betreut, die in Zusammenarbeit mit einer großen, bekannten Wirtschaftsberatungsgesellschaft entstanden sind, da werden der Name dann natürlich genannt und das Logo abgedruckt. Für das Gros der Autoren und Autorinnen aber gibt es die Gelegenheit zum Branding nur sehr eingeschränkt oder auch gar nicht. Spätestens, wenn es darum geht, am Ende des Buchs weitere eigene Angebote wie Kurse oder einen Newsletter zu bewerben, wird es sehr schwierig.
      Vielen Dank für das Lob. Es freut mich, dass meine Artikel hilfreich sind.
      Beste Grüße
      Cordula Natusch

      Antworten

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